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Yachting & Style Heft 23

Wally Ace
DIE WALLY FÜR BEST AGER

Mit diesem Hundert-Tonnen-Debüt hat Wally den Verdränger neu erfunden. Von der augenbrauenförmig geschwungenen Kimmkante des bulligen Vorschiffs über das pagodenartige Deckshaus bis zur Eignerkajüte achtern mit privatem Zugang zum Meer steckt die neue Wally Ace voll pfiffiger Ideen für herrliche Hideaways in fernen Buchten. Ein absolutes Ass für das amphibische Leben.

TEXT Erdmann Braschos | FOTOS Gilles Martin-Raget und Toni Meneguzzo für Wally

Dass diese Wally wieder einmal verblüfft, ist nichts Neues. Dafür ist der notorische Yachtentwickler Luca Bassani als treibende Kraft der monegassischen Marke bekannt. Erstaunlich an diesem voluminösen Zweitwohnsitz, der mit acht Knoten Reisegeschwindigkeit alles andere als großartige Fahrleistungen bietet, ist eher die Tatsache, dass er ausgerechnet von Wally entwickelt wurde. Man kennt Wally für agile, schnelle und spektakuläre Boote.

Wer den Werdegang von Wally seit Anfang der neunziger Jahre verfolgt hat, erinnert sich, wie der Verwandlung der herkömmlichen Tourenyacht zur funktionalen Segelspaßmaschine die 60 Knoten schnelle Wallypower folgte. Dank seiner kantigen Bugform putzt dieser 17-Tausend-PS-Treibsatz die Meilen von Monaco nach Portofino oder zur Costa Smeralda auch bei ruppiger See flottweg. Ein Boot wie von einem anderen Stern. Ein 36-Meter-Toy für das Kind im Mann und übrigens passend im Sciencefiction- Movie „Die Insel“ verewigt.

Bassanis aufmerksamkeitsstarkem Motoryacht-Debüt folgten die ebenso markanten Tender, einige 14 bis 22 Meter große Modelle und neulich mit der Wallyone die 13 Meter lange Essenz des Tagesausflugsbootes für die Spritztour an den Strand. Der Italiener blieb also mit rasanten, rauhwassertauglichen Krachmachern und Hinguckern für Männer, deren Begleitung gern mitkommt, im Thema.

Jetzt die Wally Ace. Ein stäbiges Gefährt mit bulligem Bug, dessen Kimmkante wie eine Augenbraue über die blechbeschlagene Ankertasche geführt ist. Die Frontscheiben sind wie beim Bohrinselversorger oder Hafenschlepper der Fahrtrichtung entgegen geneigt. Die pagodenartige Behausung lässt an einen Expo-Pavillon denken. Angesichts des bulligen Verdrängers könnte man annehmen, dass die wilden Jahre bereits im schäumenden Kielwasser des gebürtigen Italieners achteraus liegen.

„Wally wird oft als ein Stil, als eine Art Bauhaus auf dem Wasser missverstanden“, erklärt Bassani mit leiser, sanfter Stimme. „Das ist schön, trifft es aber nicht ganz. Wally ist eine Art und Weise, über eine Aufgabe nachzudenken und sie besser zu lösen.“ Der am Meer wohnende und ständig über neue Boote nachdenkende Bassani hat in den vergangenen Jahren zum Thema Bordleben manches Konzept ins Gespräch gebracht. Sein schwimmender Garten Wallyisland blieb ein abgefahrenes Rendering. Seine Why, eine gemeinsam mit dem Pariser Luxustäschner Hermès als komfortable Residenz entwickelte Plattform, blieb ein gigantisches Mockup. Beides waren konsequent gedachte, unkonventionelle, sehr italienische Bordlebenskonzepte.

Mit der neuen Wally Ace ist Bassani in die Realität des Luxus-Yachtbaues zurückgekehrt. Dass dem hier gezeigten Prototypen namens „Kanga“ derzeit zwei Neubauten folgen, beweist es. Er ist gut 26 Meter lang, siebendreiviertel Meter breit, verdrängt mit halb vollen Tanks 94 Tonnen und hat dann einen Tiefgang von 1,75 Metern. Bei acht Knoten Reisegeschwindigkeit hat die Wally Ace eine Reichweite von zehntausend Seemeilen. Vollgas sind auch mal 12 bis 13 Knoten bis zur nächsten Bucht drin.

 

Doch ist die Wally Ace weniger ein Boot zum Fahren, sondern eines zum Leben. Sie ist ein schwimmender Zweitwohnsitz für traumhafte Tage vor Espalmador im herrlichen Blau zwischen Ibiza und Formentera, für das Maddalena Archipel im Norden Sardiniens, für die kroatische Küste, die Sporaden – eine Arche für ganz weit weg. Sie ist ein Ass für die Bucht, ein Boot für den cleveren Best Ager, der weiß, was wichtig ist. Das Konzept ist so alt, wie es langsam laufende Motoryachten, sogenannte Verdränger, gibt. Nur haben herkömmliche Verdränger den Nachteil, arg der Tradition verpflichtet zu sein. Sie sind meist aus Stahl statt aus pflegeleichtem und Geräusche bestens dämmenden wie Schwitzwasser vermeidendem Glasfaser-Sandwich. Sie sind nicht so clever auf heutige Bordleben-Erwartungen hin zugeschnitten.

 

Die bis zur Hüfte angehobene Bordwand der Wally Ace kennt man von Bassanis großen Segelyachtkreationen wie beispielsweise der Wally 147 „Esense“. Sie lässt das Spritzwasser draußen und bietet viel gefühlte Sicherheit. Kinder oder Enkelkinder können sicher an Bord spielen. Auf dem sideboardartig breiten Rand der massiven Reling lässt sich morgens schön der Kaffee abstellen und abends der Prosecco.

Auf dem Vordeck gibt es eine gemütliche, von der 36 Meter langen Wallypower inspirierte Frischluft-Lounge. „Niemand sitzt im Hafen gern länger als zum Aperitiv auf dem Präsentierteller des zum Kai vertäuten Achterdecks. Vorne ist man für sich, hat einen schönen Blick auf die Wasserfläche und mehr frische Luft als hinter dem windgeschützten, im sommerlichen Mittelmeer stickigen Aufbau“, meint Bassani.

Der pagodenförmige Aufbau passt zu diesem Verdränger aus der Abteilung „sturdy“, dessen geneigte Scheiben wie bei bewährten Arbeitsbooten den optimalen Durchblick bieten. Der Dachüberstand spendet Schatten und ergibt auf dem Hochparterre des Oberdecks mit Wetbar, Couch und Sonnenliegen reichlich Fläche.

 

Auch das Schlafzimmer im verglasten Wintergarten kennt man schon von Bassani, dieses Mal seinen Segelyacht-Kreationen. Dort waren entweder der Salon oder die Eignerkajüte, hinter einer blicksicher verspiegelten Heckscheibe untergebracht, mit Zugang zur privaten Seeterrasse. Man hat vom Kingsize-Bett der Wally Ace beim Aufwachen einen unverbauten Blick aufs Wasser und einen herrlich kurzen Weg zur schönsten Badeanstalt der Welt, das Meer.

 

Mittschiffs an Steuerbord befindet sich hinter einer großen Luke das Beiboot. Diese Garage ist bei sehr großen Motoryachten als Versorgungspforte und Öffnung zum Aussetzen der Toys üblich. Es wäre schade, wenn man für eine einfache Besorgung wie beispielsweise fehlende Milch oder die vermisste Zeitung den schönen Ankerplatz verlassen müsste.

„Man kennt uns bisher für Performance auf dem Wasser“, meint Luca Bassani zu seiner neuen Kreation. „Bei der Wally Ace ging es um zehn bis 15 Prozent mehr Bootsbreite, eine maximale Wasserlinienlänge und eine zugunsten der Rauhwassertauglichkeit wie des umbauten Raums angehobene Bordwand. Es ging um Komfort für lange Reisen. Mit diesem Boot kannst du stilvoll verschwinden.“ Größer noch ist die Versuchung, mit dieser schwimmenden Villa in seiner Traumbucht zu bleiben. Mit drei Tonnen Frischwasser, einer Seewasserentsalzungsleistung von 360 Liter stündlich und fünfzehntausend Litern Diesel in den Tanks ist man ziemlich unabhängig.

www.wally.com

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