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Yachting & Style Heft 24

Louis Vuitton Cup 2013
FLIEGEN ODER SEGELN?

Rasant heben sich die beiden Rümpfe des AC72-Katamarans von Emirates Team New Zealand aus den aufgewühlten Schaumkronen vor der Golden Gate Bridge und fliegen über die Bucht von San Francisco.

TEXT Heike Schwab

 Leicht, fast spielerisch und dennoch majestätisch, sieht es aus, wenn Dean Barker, Steuermann des neuseeländischen Herausforderers des 34. America’s Cup, den gigantischen Kat über die knapp 16 Seemeilen lange Rennstrecke manövriert. Einen 72-Fuß-(22 Meter)-Katamaran der America’s Cup-Klasse mit einem 40 Meter hohen, steifen Flügelsegel und 11-Mann-Crew zu steuern, ist allerdings alles andere als ein Spiel. Als „Monster“ wurden die Hightech-Geschosse schon bezeichnet, noch bevor sie überhaupt das Wasser berührt hatten.  Maximale Geschwindigkeit war das Ziel, das über neue Technik, Design und eine dritte Dimension umgesetzt wurde.

Im 34. AC und seiner Herausforderer-Serie, dem Louis Vuitton Cup 2013 (LVC), ist nicht nur die Vorwärts- und Seitwärtsbewegung der Segelyachten entscheidend, sondern auch Hoch und Tief. Die Neuseeländer experimentierten zuerst mit der Foiling-Technik, die von den kleinen Moth-Seglern bekannt ist und das Boot aus dem Wasser hebt und es über die Gischt schweben lässt. Ohne den Widerstand durch die Wasseroberfläche können die AC72-Kats über 40 Knoten segeln und rauschen schneller dahin, als der für dieses Tempo notwendige reelle Wind von ca. 18 Knoten.

Die Kunst ist es, die gewaltigen Kräfte der haushohen, futuristischen „Speedster“ in den schwierigen Bedingungen der San Francisco Bay unter Kontrolle zu halten, wenn sie erst einmal entfesselt sind. Fliegt der Kat mit seinen etlichen Tonnen Gewicht unter den Kräften des kleinen Carbon-Hydrofoils erst über dem Wasser und gelingt dem Team das konstante Manövrieren quasi in der Luft, wirkt das Foil wie ein Turbo. Gleichzeitig der kritische Moment, der die Boote riskant macht. Stoppt etwas den Kat, „ist es, als würdest du gegen eine Wand fahren“, erklärt James Spithill, Steuermann des Verteidigers Oracle Team USA.

 Während Emirates Team New Zealand (ETNZ), das Team mit den meisten Segelstunden, anfangs nur mit verhältnismäßig harmlosen Strukturproblemen kämpfen musste, verlor der Herausforderer Oracle Team USA im Oktober 2012 seinen ersten Zehn-Millionen-US-Dollar-72-Füßer fast vollständig nach einer Kenterung beim Training vor Alcatraz. Luna Rossa Challenge 2013, der italienische Herausforderer von Modemogul Patrizio Bertelli (Prada), hatte Glück und konnte als Partner für das Design-Paket von ETNZ von den Erfahrungen des Konkurrenten profitieren.

Artemis Racing dagegen, das schwedische Team von Torbjörn Törnqvist, musste einen schweren Schicksalsschlag verkraften, der den gesamten 34. America’s Cup und seine Rennyachten für einige Tage grundsätzlich in Frage stellte. Artemis hatte sich erst sehr spät für die Hydrofoiling-Technik entschieden und bei ersten Tests Anfang Mai war der Bolide gekentert, in zahlreiche Teile zerbrochen und begrub den englischen Olympiasieger Andrew Simpson, für Freunde „Bart“, unter sich. Die Segelwelt und die America’s Cup-Gemeinschaft war geschockt und der Verlust des überall beliebten 36-jährigen Familienvaters wog schwer. Erst Tage und Wochen nach dem tragischen Unfall wurde die Fortführung des 34. America’s Cup und des Louis Vuitton Cup beschlossen, nachdem alle beteiligten Teams den 37 gemeinsam neu entwickelten Sicherheitsvorschriften zugestimmt hatten.

Das obere Windlimit für den Start der Rennen wurde auf maximal 23 Knoten gesenkt, handfrei einsatzfähige Atemgeräte und Körperprotektoren sowie Suchsonden am Körper und Helme mit Leuchtfarben wurden Pflicht. Doch auch die Rennstrecke wurde weiter gesichert und mit mehr Helfern und Hilfsmitteln ausgestattet. Und zu guter Letzt mussten auch die Rennyachten einige Änderungen zugunsten der Sicherheit hinnehmen. Der 34. AC sollte ausgetragen werden, aber wie in der Formel I, so sicher wie möglich.

 
HYDROFOILING IST DAS GEHEIMNIS FÜR DEN ERFOLG IM 30.STEN LOUIS VUITTON CUP UND IM 34. AMERICA’S CUP. DIE KATS AUS DEM WASSER ZU HEBEN UND ZU HALTEN UND SCHNELLER ALS DER WIND ÜBER DIE FLUTEN ZU SEGELN, WIRD FÜR DEN SIEGER ENTSCHEIDEND SEIN.

Am 7. Juli 2013 war es dann so weit und der erste Start der Louis Vuitton Cup Round Robins erfolgte. Es war ein einsames Solo-Rennen von Emirates Team New Zealand, das mit dem Kreuzen der Startlinie seinen ersten Sieg eingefahren hatte, da sein Gegner Luna Rossa Challenge wegen ungeklärter Jury-Fragen nicht startete. Ohnehin wird der Louis Vuitton Cup 2013 sicher eine Sonderstellung in der 30-jährigen Geschichte der Trophäe seit ihrem Start in 1983 einnehmen. Es sollte ein unvergessliches Jubiläum mit vielen Teams werden, aber wegen der hohen Kosten der AC72-Füßer und der allgemeinen Wirtschaftslage verabschiedeten sich in den letzten beiden Jahren immer mehr potenzielle Kampagnen aus dem Event, bis nur die drei ungleichen Herausforderer Emirates Team New Zealand, Luna Rossa Challenge 2013 of Italy (Prada) und Artemis Racing übrig waren.

Die Ära der AC72 ist deshalb auch begrenzt, sie werden nur im 34. AC segeln, darüber herrscht Einigkeit. Die fünf Round Robins des LVC wurden nur von dem Favoriten Emirates Team New Zealand gegen Luna Rossa Challenge 2013 gesegelt. Und Team New Zealand verdiente sich mit 9 Siegen von 9 Starts den Einzug ins Louis Vuitton Cup Finale. Luna Rossa, der Sparringspartner der „Kiwis“, war deutlich unterlegen, was dem späten Einstieg der italienischen Kampagne in den 34. America’s Cup zuzuschreiben ist. Den großen Vorsprung von ETNZ an Segelstunden und Erfahrung im Umgang mit dem AC72 konnten die „Silver Sailors“ aus Italien trotz aller Passion und unermüdlichem Einsatz nicht aufholen. Artemis erschien zu den Round Robins nicht an der Startlinie. Das Team war im Mai durch den schweren Unfall und den Verlust ihres hoch geschätzten Segelkameraden „Bart“ – Andrew Simpson – wie gelähmt.

Iain Percy, bester Freund von „Bart“, die gemeinsam Olympiagold und -silber geholt hatten, schob das schwedische Team neu an und setzte mit Hilfe von Eigner T. Törnqvist die Kampagne fort, auch und gerade im Andenken an „Bart“ Simpson. Der zweite AC72 der Schweden war erst Ende Juli segelbereit, weshalb der erste Start des Teams zum Semifinale gegen Luna Rossa stattfand. Ohne großes Training war ihre Lernkurve im Umgang mit dem AC72 am steilsten, aber ihnen lief die Zeit davon. Nathan Outteridge (27 Jahre), der australische Steuermann mit Foil-Erfahrung von den Moth, vollbrachte mit einem höchst motivierten Team wahre Wunder, die dennoch mit vier verlorenen Rennen in Folge gegen Luna Rossa zum Aus führten.

 
LUNA ROSSA CHALLANGE  2013 – PRADA NUTZTE DAS SEMIFINALE
DES LOUIS VUITTON CUP, UM DAS HALSEN MIT HYDROFOILING OHNE WASSERBERÜHRUNG ZU LERNEN UND VERKÜRZTE DAMIT DEUTLICH DEN VORSPRUNG DES FAVORITEN ETNZ.

Die Italiener um Skipper Max Sirena nutzten das Semifinale zur Verbesserung ihrer Teamarbeit und lernten mit Steuermann Chris Draper (35 Jahre), auf dem Hydrofoil zu halsen ohne Wasserberührung eines Rumpfes, was ihre Konkurrenzfähigkeit zu den Neuseeländern deutlich erhöhte. ETNZ übersprang legal das Semifinale, um Änderungen am Boot vorzunehmen und Boot und Mannschaft zu schonen. Denn rein theoretisch ist der Erfahrungsvorsprung der Neuseeländer von Luna Rossa – Prada im Finale nicht einzuholen, aber die AC72 können kentern, brechen oder anderen Schaden nehmen und beim Segeln zählen immer auch die Fehler des anderen. Die Hydrofoil-Technik und der richtige Umgang damit wird den Louis Vuitton Cup entscheiden, wenn die Segler in ihren astronautenähnlichen Outfits über die Trapeze der 72-Fuß-Kats spurten und das Letzte aus den „Monstern“ herausholen. Das Gleiche gilt für den 34. America’s Cup, wenn der Verteidiger Oracle Team USA auf den Sieger des Louis Vuitton Cup trifft und um die weltberühmte „Kanne“ segelt.

Die Amerikaner, im LVC nicht zugelassen, beobachten daher die Rennen in der San Francisco Bay mit Argusaugen, um zu analysieren, wo sie stehen. Der direkte Vergleich bleibt ihnen versagt. Erst im America’s Cup Match, vom 7. bis 21.September, wird sich zeigen, wer den schnellsten 72-Füßer gebaut und die beste Mannschaft geschaffen hat und verdient den America’s Cup nach Hause tragen wird.

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