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HIGH LIFE Heft 35

HARALD HACKENBERG
Erste Adresse für Porsche-356-Restaurierungen

Den Grundstein für eine der spektakulärsten Erfolgsstorys der Autoindustrie legte der Sportwagenhersteller Porsche im Jahr 1948 mit dem ersten Porsche 356. Bis 1965 gehörten die verschiedenen 356er Modelle zu den rasantesten und elegantesten Flitzern ihrer Zeit. Sie schrieben Renngeschichte und entwickelten sich zu einem Mythos, der bis heute Liebhaber auf der ganzen Welt fasziniert. Einer der passioniertesten ist Harald Hackenberg, der sich in seiner Leverkusener Werkstatt schon seit über 25 Jahren auf die originalgetreue Restaurierung der schnittigen Ur-Porsche-Modellreihen spezialisiert hat.

TEXT Sabine Herder | FOTOS Klaus Lorke

An den Bürowänden hängen jede Menge Schwarzweißfotos, die Renn-Szenen lange vor der Zeit der inszenierten Glamourwelt des heutigen Formel-1-Zirkus zeigen. „Mein Vater war ein großer Renn-Fan und scheinbar hat er seine automobile Passion an mich weitervererbt“, erzählt Harald Hackenberg während unseres Besuchs in seiner Leverkusener Werkstatt. Doch nicht den Genen, sondern eher dem Zufall verdankt die internationale 356er Fan-Gemeinde einen ihrer renommiertesten Experten für authentische Restaurierungen.

Nachdem der gebürtige Franke in jungen Jahren erste Erfahrungen in der Oldtimer-Branche gesammelt hatte, machte er sich schon vor über 25 Jahren selbständig. Damals gab es in Deutschland niemand, der 356er Porsche im eigentlichen Sinne des Wortes restaurierte. Originalität war genauso ein Fremdwort wie Spaltmaß. Viele der bis 1965 gebauten 356er waren bis dahin meist in Eigenarbeit der Besitzer ohne Sachverstand repariert worden. Da wurden Bleche einfach „zusammengebraten“, Blechschäden gespachelt, die Motoren der verschiedenen Modellreihen völlig willkürlich zusammengesetzt und die Innenausstattung meist noch von der Oma genäht.

„Im Gegensatz zu diesen Hobbyschraubern habe ich mich von Anfang an auf das professionelle Restaurieren, sprich die größtmögliche Wiederherstellung des Originalzustandes eines Autos konzentriert. Um meinen hohen Ansprüchen an Originalität, Qualität und Professionalität gerecht zu werden, musste ich sehr schnell feststellen, dass eine Spezialisierung unumgänglich war. Und da mich die sportlichen 356er Flitzer und ihr Mythos schon seit meiner Kindheit begeistert haben, spezialisierte ich mich schon bald nach der Firmengründung auf die 356er Modelle.“

 

EIN TRAUM FÜR ALLE PORSCHE-FANS:
DIESER KOMPLETT REASTAURIERTE
PORSCHE 356 SPEEDSTER, BAUJAHR 1957.

Mit wie viel Leidenschaft und Herzblut sich Harald Hackenberg und sein Team mit den heißbegehrten Ur-Porsche-Modellen identifizieren, erfahren wir beim Gang durch die Leverkusener Werkstatt, die der passionierte Unternehmer 1993 nach seinen eigenen Vorstellungen bauen ließ. Wie magisch angezogen, bleibt unser Blick sofort an zwei fertig restaurierten Traumautos hängen: ein weißer Speedster, Baujahr 1957, und ein 356 Split Window Coupé aus dem Jahre 1951. Wir sind fasziniert von der perfekten „Reinkarnation“ der Sportflitzer, die bis ins kleinste Detail fast dem Originalzustand ihrer Auslieferung vor über 50 Jahren entsprechen.

„Wir versuchen, so nah wie möglich an das Original heranzukommen. Deshalb ist unsere oberste Devise: erhalten geht vor ersetzen“, erklärt der renommierte 356er Experte, während er uns nicht ohne Stolz in dem schwarzen Porsche die Original-Abdeckung des Motorraumes zeigt. „Zu 100 Prozent können wir den Originalzustand heute leider nicht mehr erreichen, denn bestimmte Materialien, z.B. im Lackbereich oder für die Gerbung des Leders, werden heute einfach nicht mehr hergestellt.“

 


„Ich verstehe die originalgetreue Restaurierung eines Oldtimers
nicht nur als Handwerkskunst, sondern als Ideologie.“

Wie viel Arbeitsstunden, Erfahrung und Know-how tatsächlich nötig sind, um auf einem der zahlreichen Classic-Car-Treffen und -Rennen mit einem 356er eine gute Figur zu machen oder sogar, wie schon mehrere „Patienten“ aus Harald Hackenbergs Porsche-Klinik, als „Bestes restauriertes Auto“ prämiert zu werden, das macht uns ein Blick in das Leverkusener Lager deutlich. Hier lagern, akribisch sortiert und bis auf das winzigste Schräubchen zerlegt, die aktuellen Restaurierungsobjekte. Bevor sie in der Fertigmontage in die neu lackierten Karosserien eingebaut werden können, wurde jedes noch so kleine Metallteil aufwändig gesäubert und neu verzinkt, wurden Einbauteile aus Kunststoff mühselig aufgearbeitet oder nachgegossen.

Sogar die Stoffe für die Polster und die Dachhimmel werden, wenn nötig, nach historischen Vorlagen speziell gefertigt. Jede Menge Spezialwissen, Erfahrung und viel Geduld erfordert insbesondere die Restaurierung der Motoren, die sich vor allem bei den historischen Porsche-Rennwagen oft als überaus komplizierte Angelegenheit erweist. Doch in Bezug auf einen Porsche 356 gibt es für das erfahrene Werkstatt-Team kaum ein Problem, das es nicht lösen kann. „Wir sind so etwas wie die ‚Totengräber‘ der Porsche-Szene.

Zu uns kommen viele wirklich schlimme Fälle verkündet Harald Hackenberg und zeigt dabei auf eine der Karossen, die wir, in der Annahme, sie sei nicht viel mehr als ein zerknitterter Haufen Schrott, bisher noch keines Blickes gewürdigt haben. Der Wagen ist wirklich in einem elenden Zustand. Die hinteren Kotflügel sind durch einen Unfall stark zerknittert, die Bleche im Kofferraumbereich durch jahrelange Lagerung im Freien vom Rost zerfressen und der Frontbereich wurde im Rahmen einer früheren unsachgemäßen Reparatur durch eine Schnauze eines völlig anderen Autotyps ersetzt.

 

„Natürlich liegt da ein hartes Stück Arbeit vor uns und auch der Besitzer wird während der oft langjährig andauernden Restaurierungsphase so manche leidvolle Erfahrung machen. Doch die Wiedergeburt solch geschichtsträchtiger Autos bereitet mir auch nach all den Jahren große Freude. Schließlich bleibt der Nachwelt durch meine Arbeit ein Stück automobiler Kulturgeschichte erhalten.“

Weitere Infos: www.356hackenberg.de

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